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KULTUR - LAND - ERLEBNIS (Entdeckung einer alten Kulturlandschaft mit dem Rad)

Rubrik:Radfahren
Start:Seulingen
Streckenverlauf:Seulingen, Falkenhagen, Groß Lengden, Mackenrode, Landolfshausen, Ebergötzen, Seeburg, Bernshausen, Seulingen
Ziel:Seulingen
Länge:36,00 km
Dauer:ca. 4 Stunden
Beschilderung:Die Tour ist ausgeschildert. Tour 37 (T 37)
Besondere Hinweise:Achtung Radfahrer! Das Radwegenetz im Landkreis Göttingen führt überwiegend über Wirtschaftswege. Bitte nehmen Sie Rücksicht auf Land- und Forstwirtschaft. Die Benutzung der Wege geschieht auf eigene Gefahr.

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Informationen zur Tour

Die außerordentlich vielseitige, aber auch anspruchsvolle Tour liefert Einblicke in die Entwicklung einer alten Kulturlandschaft.

Landolfshausen mit Hengstberg

In Seulingen, das bereits in der Jungsteinzeit besiedelt war (Ausgrabungen eines mächtigen Erdwerks am Süd-Ost-Hang des Kohlingsberges), starten wir die anspruchsvolle Route in südlicher Richtung. Auf einem historischen Pfad geht es entlang des Gothenbeeks, den einst schon die namengebenden Gothen genutzt haben sollen. Die Teiche in diesem Tal offenbaren Naturliebhabern wahre Edelsteine. Neben einer schönen Verlandungsvegetation bieten die eigentümlichen Krebsscheren-Teppiche einen ganz besonderen Anblick. Sie biegen bald nach rechts ab in den Seulinger Wald und können nach dessen Durchquerung die Zeugen bronzezeitlicher Bestattungskultur bewundern. Der Waldboden in der Nähe Falkenhagens ist geradezu übersäht von den über 3.000 Jahre alten, eindrucksvollen Grabhügeln. Falkenhagen selbst gehört zu einer späten Kolonisationsphase, als sich der Siedlungsdruck im Altsiedel-Gebiet des Eichsfelder Beckens zuspitzte und Ausweich-Räume benötigt wurden.

Die Umfahrung des Hengstberges, geomorphologisch ein „Zeugenberg“, offenbart mit zahlreichen kleinen Steinbrüchen links und rechts des Weges das Ausgangsgestein Kalk und einen Einblick in den kleinräumigen Gesteinsabbau früherer Generationen. Von Groß Lengden, das durch eine malerische Lage der Dorfkirche besticht, fahren Sie nach Mackenrode unterhalb der beeindruckenden Kalk-Schichtstufe des Göttinger Waldes. Sanft verläuft die Route hinab in das fruchtbare Altsiedelland um Landolfshausen. Die Endung „–hausen“ belegt die frühe fränkische Siedlungs- und Rodungsphase des Mittelalters im 6. bis 9. Jahrhundert. Landolfshausen ist in seiner Anlage ein klassisches Straßendorf mit überwiegend Dreiseithöfen. Über die fruchtbaren Höhen des Eichsfeldes mit wunderbaren Ausblicken geht es nach Ebergötzen. Dort wird mit dem Europäischen Brotmuseum und der Wilhelm-Busch-Mühle ein umfangreiches Besichtigungs-Angebot präsentiert. Der Maler und Dichter Wilhelm Busch verbrachte in Ebergötzen die schönsten Jahre seiner Jugend. Die eindrucksvollen Erinnerungen an diese Zeit machen Ebergötzen zum authentischen Handlungsort der Streiche von Max und Moritz. Der Weg nach Seeburg führt vorbei am Renaturierungsgebiet Seeanger, das Zeugnis von den Eingriffen des Menschen in den Naturhaushalt gibt (Eine Tafel bei der Brücke informiert über die spannende Entwicklung). Seeburg zeichnet sich als Erholungsort mit einem breiten Freizeit-Angebot wie Baden, Rudern und Minigolf aus.

Mit schönem Ausblick über den See verläuft die Route am Nordufer nach Bernshausen. Der Ort spielte im Mittelalter durch seine verkehrstechnisch günstige Lage als Gerichtsort eine wichtige Rolle in der Region. Einige Tafeln am Seeufer informieren über eine Fluchtburg am Ufer des Sees und Ausgrabungen eines mittelalterlichen Wirtschaftshofes (Curtis) auf einer Insel im See, der bereits im Jahre 1035 urkundlich erwähnt wurde. Das gesamte Gebiet um den Seeburger See herum, das durch unterirdische Auslaugung vor ca. 10.000 Jahren als Senke entstand, eignet sich vorzüglich für die Natur-Beobachtung. Besonderen Stellenwert besitzt hier die Vogelwelt, die den größten natürlichen See im Süden Niedersachsens, der auch als „Auge des Eichsfeldes“ bezeichnet wird, nicht nur als Etappe bei ihren Vogelzügen, sondern auch als Brut- und Mausergebiet nutzt.

Durch die wogenden Felder der Goldenen Mark erreichen wir wieder unseren Ausgangsort Seulingen. Der Begriff „Mark“ leitet sich aus dem althochdeutschen Wort marca ab, das Grenzraum bedeutet. Das Gebiet ist schon seit alters her eine Grenzregion, die auch in der jüngeren deutschen Geschichte diese Funktion hatte. Zu diesem Thema ist ein Besuch im Grenzlandmuseum in Teistungen sehr zu empfehlen. Das aufgrund seiner Lößböden sehr fruchtbare und als „golden“ bezeichnete Gebiet wurde bereits vor 7.500 Jahren von den frühesten bäuerlichen Kulturgruppen der frühsteinzeitlichen Linienband-Keramiker ackerbaulich genutzt. Hierdurch gehört das Gebiet zu den ältesten Kulturlandschaftsräumen Mitteleuropas.

Hügelgrab im Seulinger Wald

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Urheber: Stephan Hagedorn

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